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Wie war das doch gleich mit der Bestrafungsfunktion?

von Volker Lindenthal

So mancher wird sich verwundert die Augen reiben, schaut man auf die Krise um General Motors. Ist nicht eines der Grundprinzipien des Marktes, dass Teilnehmer für richtige Entscheidungen durch ihn belohnt und falsche bestraft werden? Manchmal fragt man sich, ob Joseph Schumpeter sich derzeit im Grabe umdreht. Eine Firma, die sich seit Jahren hartnäckig dagegen wehrt, die Produktionspalette auf nachhaltigere Modelle umzustellen, soll plötzlich vom Staat unterstützt werden, weil sie zu groß ist, unterzugehen. Zu viele Zulieferer würden mit in Sog gerissen, zu viele Arbeitsplätze vernichtet.

Die Implikation aus der Befolgung solcher Partialinteressen hieße allerdings, daß man einen Bias in den Marktentscheidungen kreierte. Die alte Geschichte von privatisierten Gewinnen und vergesellschafteten Verlusten, vom linken Rand seit Jahren gepredigt, würde plötzlich verifiziert. Ein Eingriff in einer solchen Situation hieße die Bankrotterklärung des Glaubens an die Selbstverantwortung von Unternehmen. Eine Anreizverzerrung innerhalb der Entscheidungsstruktur bei großen Unternehmen träte in Zukunft auf, wenn bekannt wäre, daß man im Notfall mit Staatsgeld gerettet würde. Ist die kreative Zerstörung ein Relikt längst vergangener Zeit, die im 21. Jahrhundert ihre Gültigkeit verloren hat?

Allerdings scheinen solche politischen Erwägungen, wie sie derzeit im Raum stehen, gut zu einer derzeit aufkommenden Strömung zu passen, die uns plötzlich lehren will, daß Konsumenten ja eigentlich gar nicht wissen, was sie wollen, sondern man am besten ihr Budget verknappen sollte, um die schreiende Meute der Lobbyisten zufriedenstellen zu können. Ach, was freut sich da das Herz des Polit-Ökonomen, wenn man sich wieder gewahr wird, daß wir im kommenden Jahr Europawahl und Bundestagswahl haben, in Hessen zusätzlich noch die Landtagswahl.

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